Stressfaktor Lärm: Ohren zu und durch?!

Aus den Boxen tönt es grell, den Nachbarn juckt das Trommelfell… Ob dröhnende Musik aus der Wohnung nebenan, anhaltende Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe, kreischende Maschinen und eine dichte Geräuschkulisse am Arbeitsplatz oder einfach nur ständiger lauter Durchgangsverkehr – viele Menschen haben im Alltag mit Lärm zu kämpfen. Oft lassen sich unangenehme Geräusche nicht aktiv reduzieren oder gar ausschalten. Mit sogenanntem passivem Lärmschutz kann man die Situation aber trotzdem oft deutlich verbessern!

Lärm und Schall – ein Unterschied

Laerm wirkt als Stressfaktor

Lärm im Alltag kann als Stressauslöser wirken, Bild Copyright: ArTo, Fotolia.com

Vorweg: Lärm ist zum Teil sehr subjektiv! Während zum Beispiel eine Mutter verzückt dem Flötenspiel ihrer Tochter lauscht und sich über deren Übungseifer freut, stehen dem Nachbarn angesichts der schiefen Töne buchstäblich die Haare zu Berge. Schall ist dagegen eine messbare Größe und nicht vom persönlichen Empfinden des Einzelnen abhängig. Er entsteht durch Schwingungen einer Schallquelle und breitet sich aus – in der Luft, im Wasser und in festen Stoffen. Die entstehenden Luftdruckschwankungen werden als Schalldruck bezeichnet. Dieser wird in Dezibel gemessen.

Lärm vermeiden – gesünder leben

Zu viel Lärm kann krank machen. Nicht nur Spitzenbelastungen sollte man deshalb vermeiden, sondern auch Dauerlärm ab etwa 80 Dezibel. Dieser Wert entspricht in etwa dem Geräuschpegel eines gewöhnlichen Rasenmähers. Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, ist Lärmschutz nicht nur für das Gehör, sondern vor allem für das Herz-Kreislaufsystem wichtig: Denn beispielsweise Fluglärm lässt den Blutdruck steigen, führt zu einer körperlichen Stressreaktion, schädigt die Gefäße und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – ganz egal, ob man durch den Lärm vom Schlafen abgehalten wird oder nicht.

Lärmschutz ist gesetzlich geregelt

Zum Schutz der Bürger vor krankmachendem Lärm gibt es gesetzlich festgelegte Schallgrenzen – zum Beispiel die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Diese hat allgemeine Lärmquellen wie Straßen-, Flug- und Schienenverkehr zum Inhalt, aber auch Lärm durch Gewerbe, Industrie oder Baustellen. Für beruflichen Lärmschutz gibt es die Arbeitsstättenverordnung „Schutz gegen Lärm“. Überschreitet der Schallpegel 80 Dezibel, muss den Mitarbeitern ein Gehörschutz zur Verfügung stehen – und auch genutzt werden. Gut zu wissen: Wer den Eindruck hat, dass die Bestimmungen nicht ausreichen oder eingehalten werden, hat das Recht, einen Akustik-Sachverständigen hinzuzuziehen.

Lärm schon an der Quelle reduzieren

Ideal ist es natürlich, wenn Lärmschutz schon an der Schallquelle beginnt. Wofür gibt es schließlich Lautstärkeregler an iPods, Radios und Fernsehgeräten? Auch Fenster sind eine einfache Möglichkeit, störende Geräusche auszusperren. Und umgekehrt wissen die Nachbarn es sicher zu schätzen, wenn man vor Staubsaugen, Klavierstunde und Co. die Fenster schließt. Alle Maßnahmen, die den Schall schon an der Quelle mindern, werden als aktiver Lärmschutz bezeichnet.

Mit unvermeidlichem Lärm besser umgehen

Wo sich Lärm nicht vermeiden lässt, sollte man ihm bestmöglich mit sogenannten passiven Lärmschutzmaßnahmen begegnen. Liegt beispielsweise die Wohnung an einer stark befahrenen Straße oder Bahnlinie, kann es sich lohnen, schallisolierende Fenster einzubauen. Etwas weniger aufwändig ist das Tragen von Schutzkleidung, das auch in vielen Berufen praktiziert wird: Kapselgehörschutz umschließt mit Hartplastikschalen beide Ohren von außen. Man kennt diese „Kopfhörer“ zum Beispiel von Fluglotsen oder von Polizisten beim Schießtraining.
Plugs sind Stöpsel zum Einführen in den Gehörgang. Es gibt sie in unterschiedlichen Variationen: aus Wachs zum Selbstformen, aus Silikon, Kunststoff oder Schaumstoff.

Für den Discobesuch und zum Beispiel auch für Musiker gibt es spezielle Musikohrstöpsel, die den Schall dämmen, aber trotzdem alle Frequenzen weitestgehend unverfälscht übermitteln.
Otoplastiken sind individuell angefertigte Ohrenstöpsel aus Acryl oder Silikon. Sie sind sehr langlebig und durch ihre perfekt zugeschnittene Passform angenehm zu tragen. Wie stark der Lärm gedämpft werden soll, lässt sich nach persönlichem Wunsch gestalten.

Schallschutzanzüge aus Leder-Stoff-Kombinationen schützen den gesamten Organismus vor starkem Schall über 130 Dezibel und ergänzen den Gehörschutz. Denn nicht nur durch die Ohren erreicht Schall den Körper. Er überträgt sich über den Körper und speziell die Knochen. So kann es sogar zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz und Gleichgewichtsstörungen kommen.

Ruhe schont die Ohren – und die Nerven

Wer seinen Ohren etwas Gutes tun will, sollte ihnen hin und wieder nichts als Ruhe gönnen. Zum Beispiel mal nicht mit Musik joggen, sondern den Geräuschen der Natur lauschen. Oder mal bewusst auf Radio und Fernsehen verzichten und stattdessen in Ruhe in einer Zeitschrift blättern. Dieser Verzicht auf Lärmquellen kommt auch dem Nervenkostüm zu Gute.

Weitere Informationen:

Mit der richtigen Technik entspannt durch die 2. Lebenshälfte

Schlaf- und Entspannungstipps für Vielflieger

Die Macht der Farben

Gut schlafen ohne Stress