Leichtes Übergewicht verlängert das Leben

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein galten beleibte Menschen als gesund. Dicksein war ein Zeichen von Wohlstand und Gesundheit. Das änderte sich erst im 20. Jahrhundert. Heute gilt der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) als Maß für Ideal- bzw. Übergewicht.

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Leichtes Übergewicht verlängert das Leben. Foto: © picturefactory – Fotolia.com

Es ist unbestritten, dass Übergewicht ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen ist. Wo jedoch die Grenze zu ziehen ist, wird zunehmend neu diskutiert. Denn beim Body-Mass-Index bleiben Faktoren wie Geschlecht, Alter und Fitness unberücksichtigt. Diese Faktoren spielen aber eine wichtige Rolle für das Krankheits- und Sterberisiko. Und auch die Verteilung von Körperfett, ein weiterer Risikofaktor, unterscheidet sich zwischen Menschen mit identischem BMI.

Jahrzehntelang ging man davon aus, dass man mit Normalgewicht am gesündesten lebt. Erste Zweifel kamen aber schon 2007 auf, als eine Untersuchung zeigen konnte, dass leicht Übergewichtige im Vergleich zu Normalgewichtigen ein niedrigeres Sterberisiko hatten. Ein erhöhtes Sterberisiko fand man hingegen bei Fettleibigen und Untergewichtigen.

Bestätigt wurde dieses Ergebnis durch eine zweite Studie, in der die Daten von fast drei Millionen Menschen ausgewertet wurden: Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 30, also leichtem Übergewicht, haben ein um 6 % niedrigeres Risiko innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu sterben als Normalgewichtige. Sogar bei leicht Fettleibigen (BMI zwischen 30 und 35) ist es fünf Prozent niedriger. Erst ab einem BMI von über 35 (das sind z. B. mehr als 100 kg bei einer Größe von 1,7 m) steigt das Risiko drastisch an.

Wer glaubt, das sei ein Freibrief zum Naschen und Schlemmen, könnte ein böses Erwachen erleben. Denn: Übergewicht erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Nierenkrankheiten. Anhand der Studienergebnisse erscheint es aber fraglich, ob alle als übergewichtig oder leicht fettsüchtig eingestuften Patienten abnehmen sollten – insbesondere bei Menschen mit chronischen Krankheiten ist das derzeit nicht hinreichend geklärt.

Auch für Dicke gibt es ermunternde Daten. So konnte eine weitere Studie zeigen, dass bereits kleine Veränderungen viel für die Gesundheit bringen. Das Risiko für gewichtsbedingte Erkrankungen reduzierte sich bei Probanden mit einem durchschnittlichen BMI von 36 bereits bei einer fünfprozentigen Gewichtsabnahme deutlich. Wichtig ist es jedoch, das Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Das geht nur über eine Veränderung des Lebensstils – Bewegung, Ernährung, Verhalten. Crash-Diäten führen nicht zum Ziel.

Quellen
K. M. Flegal et al. Cause-Specific Excess Deaths Associated With Underweight, Overweight, and Obesity. JAMA. 2007;298(17):2028-2037. doi:10.1001/jama.298.17.2028.

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