Glückliche Länder

In dem Zeichentrick-Klassiker „Herr Rossi sucht das Glück“, führt der Protagonist ein freudloses Leben. Da erscheint eine Fee und schenkt Herrn Rossi eine Trillerpfeife, mit deren Hilfe er durch Raum und Zeit reisen kann, damit er dort sein Glück finden möge.

gluecklicher-mann

Glück bedeutet, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Foto: © tunedin – Fotolia.com

Als Reiseführer könnte Herrn Rossi der seit 2012 erscheinende World Happiness Report, ein Bericht für die UN, dienen. Insgesamt hat das Earth Institute der Columbia Universität in New York 160 Staaten in die Untersuchung eingeschlossen. Während in den ersten Jahren Dänemark unangefochten auf dem ersten Platz war, konnte 2015 die Schweiz den ersten Podestplatz einnehmen, zweiter Island und Dänemark auf Platz drei.

In den Top Ten finden sich außerdem Norwegen, Kanada, Finnland, die Niederlande, Schweden, Neuseeland und Australien. Auch Länder wie Panama, Israel, Mexiko, Brasilien, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Oman, Singapur und Panama liegen vor Deutschland, das einen enttäuschenden Platz 26. einnimmt. Die unglücklichsten Länder liegen in Afrika mit Burundi und Togo auf den hintersten Plätzen und wenig überraschend, in aktuellen Krisengebieten. Das Bürgerkriegsland Syrien landete auf dem 156. Platz.

Bei dem Bericht stehen vor allem Fragen nach materiellen Eckpunkten – Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung, Lebenserwartung. Bruttoinlandsprodukt, Kaufkraft, Beschäftigungszahlen – im Vordergrund. Es wird nach dem Gefälle zwischen Arm und Reich, nach Alphabetisierungsraten und durchschnittlicher Qualifikation gefragt. Geht es nur nach solchen Zahlen, müsste Deutschland einen vorderen Platz einnehmen. Tut es aber nicht. In Sachen Wohlstand stehen die Deutschen über dem Durchschnitt, in Sachen Zufriedenheit deutlich darunter.

Glücksrezept: Das Leben nicht so ernst nehmen

Denn all diese Kriterien sind zwar nachprüfbar und von Bedeutung, spiegeln aber das Zufriedenheitsgefühl der Menschen nur unzutreffend. Fragt man einen Amerikaner oder Angelsachsen wie es ihm geht, wird er mit einem „Great“ antworten. Für Deutsche ein Ausdruck von Oberflächlichkeit. Der Deutsche wird eher mit „es muss“, „so weit so gut“, „na ja“ antworten. Hierzulande schwingt das Adverb „eigentlich“ fast immer mit. Lieber tief stapeln, es kann ja alles schlimmer werden.

Maike van den Boom, die Autorin des Buches „Wo gehts denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“ hat einen Rat parat. „Die Deutschen täten auf jeden Fall gut daran, das Leben nicht so ernst und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen“ und „Die Deutschen müssen sich von ihren zwanghaften Vorstellungen befreien, wie ein erfolgreiches Leben aussieht. Hier verharrt man oft in einem verhassten Job, weil er Sicherheit bietet. Die Dänen und Finnen sind auch deshalb so glücklich, weil sie sich frei fühlen, ihr Leben jederzeit zu ändern, wenn es ihnen nicht gefällt. Die sind viel unabhängiger von gesellschaftlichen Erwartungen und messen sich nicht ständig mit anderen. Das Vergleichen ist ein Totengräber des Glücks.“

In Deutschland sind die glücklichsten Menschen in Schleswig-Holstein anzutreffen, so die Ergebnisse der im Auftrag der Deutschen Bundespost erhobenen Daten sowie einer Umfrage des Allensbach-Instituts, aus denen sich jedes Jahr der Glücksatlas für Deutschland ergibt. Erfreulich: Deutschland ist etwas glücklicher als im Jahr 2014 und der Unterschied zwischen Ost und West ist so gering wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Trotzdem bilden die Ostländer weiterhin den hinteren Teil des Glücks-Rankings mit Mecklenburg-Vorpommern an letzter Stelle, knapp hinter Sachsen-Anhalt.

Quellen
http://worldhappiness.report/wp-content/uploads/sites/2/2015/04/WHR15.pdf

Bernd Raffelhüschen, Reinhard Schlinkert. Deutsche Post Glücksatlas 2015. Knaus, ISBN 978-3-8135-0717-1

 

Lesen Sie auch:

Schnell entspannt: Quicktipps für zwischendurch

Schlaf- und Entspannungstipps für Vielflieger